Kaufpreis umfasst Barzahlung und Schulden
Der US-Energietechnikkonzern SLB hat vereinbart, den deutschen Wärmeübertragungs- und Kühltechnikhersteller Kelvion für insgesamt rund 4,1 Milliarden Dollar zu übernehmen. Davon entfallen etwa 3,4 Milliarden Dollar auf eine Barzahlung. Zudem übernimmt SLB rund 700 Millionen Dollar Schulden des Unternehmens.
Kelvion hat seinen Sitz in Herne und entwickelt sowie produziert Technik für Wärmeübertragung und Temperaturmanagement. Die Transaktion macht den deutschen Hersteller zu einem Teil des internationalen Konzerns SLB. Verkäufer ist ein von Apollo verwalteter Fonds, wie aus den veröffentlichten Angaben zur Vereinbarung hervorgeht.
Der Abschluss steht noch aus. SLB erwartet ihn vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen im ersten Halbjahr 2027. Bis dahin ist Kelvion also nicht bereits Teil des Konzerns. Die vereinbarte Summe beschreibt den Umfang der Transaktion, nicht einen schon vollzogenen Eigentümerwechsel.
Rechenzentren werden zum Wachstumsfeld
Für SLB ist Kelvion vor allem ein Ausbau des Geschäfts mit Infrastruktur für Rechenzentren. Die beiden Rechenzentrumssparten des Konzerns sollen 2026 zusammen pro forma mehr als zwei Milliarden Dollar Umsatz erzielen. Das bereinigte EBITDA, eine Ergebniskennzahl vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, soll bei rund 300 Millionen Dollar liegen.
Für 2028 setzt SLB das Umsatzziel der kombinierten Rechenzentrumssparte auf 4,5 bis 5 Milliarden Dollar. Die Zielspanne liegt damit deutlich über dem erwarteten Umsatz von mehr als zwei Milliarden Dollar für 2026. Es handelt sich um eine Unternehmensprognose, nicht um bereits erzielte Erlöse. Angaben zu einem konkreten jährlichen Wachstumspfad zwischen den beiden Zeitpunkten liegen in den bereitgestellten Fakten nicht vor.
Die Übernahme verbindet Kelvions Technik für Wärmeübertragung und Temperaturmanagement mit SLBs bestehendem Rechenzentrumsgeschäft. Welche Produkte oder Standorte konkret zusammengeführt werden sollen, ist in den vorliegenden Angaben nicht näher ausgeführt.
Kühlung gewinnt mit KI-Rechenzentren an Gewicht
Der Kauf fällt in eine Phase, in der der wachsende Bedarf an Kühlung und Wärmemanagement die Industrie rund um KI-Rechenzentren verändert. Rechenzentren benötigen Infrastruktur, die mit Wärme umgehen kann. Kelvions Produktfeld passt deshalb zu einem Bereich, den SLB als künftiges Wachstumsfeld beziffert.
Die strategische Bedeutung der Transaktion lässt sich an den Umsatzplänen ablesen: SLB erwartet für die zusammengefassten Rechenzentrumsgeschäfte 2026 bereits mehr als zwei Milliarden Dollar und strebt bis 2028 bis zu fünf Milliarden Dollar an. Damit richtet der Konzern den Blick über sein angestammtes Geschäft als Ölfeldausrüster hinaus auf technische Lösungen für Rechenzentren.
Für Kelvion bedeutet die vereinbarte Übernahme, dass ein Unternehmen mit Sitz in Herne in eine internationale Konsolidierung rund um Kühltechnik und KI-Rechenzentren einbezogen wird. Welche Auswirkungen der Eigentümerwechsel auf Beschäftigte, Produktion oder den Standort haben wird, ist anhand der veröffentlichten Angaben nicht abzuleiten.

