Der Überblick/Energie

Strombedarf wächst 2027 um 3,8 Prozent, Erneuerbare überholen Kohle

Die Nachfrage soll 2027 rund 30.700 Terawattstunden erreichen, nach 28.600 Terawattstunden im Jahr 2025. Zugleich erwartet die IEA, dass erneuerbare Energien bereits 2026 weltweit mehr Strom erzeugen als Kohle.

Symbolbild: Energieinfrastruktur und Windkraft in Deutschland

Eine Beschleunigung gegenüber 2025

Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet für 2026 ein Wachstum der weltweiten Stromnachfrage um 3,6 Prozent. Für 2027 setzt sie die Prognose mit 3,8 Prozent noch höher an. 2025 hatte das Wachstum nach Angaben der Agentur bei rund 3 Prozent gelegen. Der Vergleich deutet auf eine Beschleunigung hin: Die Nachfrage steigt nicht nur weiter, sondern voraussichtlich auch mit höherer Jahresrate.

Die Größenordnung wird beim Blick auf den Verbrauch sichtbar. Für 2027 rechnet die IEA mit rund 30.700 Terawattstunden (TWh), verglichen mit 28.600 TWh im Jahr 2025. Das sind rund 2.100 TWh mehr innerhalb von zwei Jahren. Die Differenz entspricht rechnerisch etwa 7,3 Prozent des Werts von 2025. Die Jahresraten und die Gesamtmenge beschreiben dabei unterschiedliche Dinge: Die Prozentwerte geben das erwartete Wachstum gegenüber dem jeweiligen Vorjahr an, die TWh-Zahlen die prognostizierte Nachfrage.

Die Prognose stammt aus dem Electricity Mid-Year Update 2026 der IEA, veröffentlicht am 23. Juli 2026. Sie beschreibt eine weltweite Entwicklung. Sie lässt sich daher nicht unmittelbar als Prognose für einzelne Länder lesen.

Mehr Verbrauch aus mehreren Richtungen

Die IEA ordnet den steigenden Bedarf mehreren Bereichen zu: Industrie, Kühlung, Elektromobilität und Rechenzentren tragen dazu bei. Damit steht hinter der höheren Nachfrage kein einzelner Verbrauchszweck. Die Entwicklung bündelt Anforderungen aus Produktion, Gebäuden, Verkehr und digitaler Infrastruktur. Die vorliegenden Angaben beziffern allerdings nicht, welchen Anteil jeder dieser Bereiche am zusätzlichen Verbrauch hat.

Für die Stromsysteme bedeutet ein größerer Gesamtbedarf zunächst, dass mehr elektrische Energie bereitgestellt und zu den Verbrauchern gebracht werden muss. Die Nachfrageentwicklung betrifft daher nicht allein die Frage, welche Kraftwerke Strom erzeugen. Sie erhöht auch die Anforderungen an Netze, Speicher und flexible Erzeugung. Diese Zusammenhänge sind besonders wichtig, wenn der Strombedarf aus verschiedenen Bereichen gleichzeitig wächst.

Aus den globalen Zahlen lässt sich nicht ableiten, wo der zusätzliche Verbrauch geografisch anfällt oder wie gleichmäßig er über den Tag verteilt ist. Ebenso wenig sagen die genannten Wachstumsraten allein aus, welche Erzeugungsarten den Mehrbedarf decken. Dafür wären detailliertere Angaben zu Regionen, Lastprofilen und Stromproduktion nötig. Die Prognose markiert also die Größenordnung des Drucks, nicht bereits eine vollständige Bilanz seiner Bewältigung.

Der Wechsel an der Spitze des Strommixes

Neben dem Nachfragewachstum erwartet die IEA eine Verschiebung bei der Stromerzeugung: Erneuerbare Energien sollen 2026 Kohle als weltweit größte Quelle ablösen. Die Aussage bezieht sich auf die globale Stromproduktion und auf den Vergleich dieser beiden Gruppen. Sie benennt einen Wechsel an der Spitze, aber keine konkreten Erzeugungsmengen oder Anteile.

Der Zeitpunkt ist relevant, weil die Erneuerbaren laut Prognose nicht erst bei stagnierendem Bedarf an Kohle vorbeiziehen sollen. Der globale Stromverbrauch wächst zugleich weiter und nach Einschätzung der IEA schneller als 2025. Die Einordnung muss daher zwei Entwicklungen zusammen betrachten: Die Zusammensetzung der Erzeugung verändert sich, während insgesamt mehr Strom nachgefragt wird.

Aus dem erwarteten Überholen folgt nicht, dass Kohle 2026 keine wichtige Rolle mehr spielt oder dass jede zusätzliche Nachfrage durch erneuerbare Energien gedeckt wird. Ebenso enthält die hier ausgewiesene Prognose keine Aussage darüber, wie sich einzelne erneuerbare Technologien entwickeln. Sie beschreibt den erwarteten Rang der Erzeugungsgruppen, nicht den vollständigen Weg dorthin. Ob die Prognose eintritt, bleibt zudem abzuwarten.

Warum Nachfrage und Erzeugung gemeinsam betrachtet werden müssen

Ein wachsender Anteil erneuerbarer Energien und ein höherer Strombedarf sind zwei getrennte Messgrößen. Die erste betrifft, wer Strom erzeugt; die zweite, wie viel Strom insgesamt benötigt wird. Werden beide Aussagen vermischt, kann der Eindruck entstehen, der Wechsel bei der Erzeugung löse automatisch die zusätzlichen Anforderungen durch den Verbrauch. Das lässt sich aus den IEA-Zahlen nicht ableiten.

Die Nachfrageprognose macht vielmehr deutlich, dass die Energiewende nicht nur eine Verschiebung zwischen Energiequellen ist. Die Stromsysteme müssen zugleich eine größere Menge bewältigen. Für die Einordnung sind deshalb neben der Erzeugung auch Netze, Speicher und flexible Erzeugung entscheidend. Diese Anforderungen nennt die Zusammenfassung der IEA-Prognose ausdrücklich als relevant, ohne sie für einzelne Länder oder Technologien zu quantifizieren.

Die Zahlen zeigen auch, weshalb ein Prozentwert allein wenig über die praktische Größenordnung aussagt. Ein Zuwachs um 3,8 Prozent wirkt abstrakt; zusammen mit dem erwarteten Niveau von 30.700 TWh wird klar, dass es um ein sehr großes globales Stromvolumen geht. Der Vergleich mit 2025 macht zusätzlich sichtbar, dass die Prognose nicht nur ein hohes Niveau, sondern einen erheblichen Zuwachs über zwei Jahre beschreibt.

Was die globale Prognose für Deutschland bedeutet

Für Deutschland ist die IEA-Prognose ein Hinweis auf den internationalen Maßstab der Aufgabe, aber keine Vorhersage des deutschen Stromverbrauchs. Die Agentur nennt für die Welt 3,6 Prozent Wachstum 2026 und 3,8 Prozent 2027. Diese Werte dürfen nicht auf Deutschland übertragen werden. Auch der erwartete Vorrang der Erneuerbaren gegenüber Kohle gilt für die weltweite Stromerzeugung, nicht automatisch für den deutschen Strommix.

Der Deutschlandbezug liegt in den Anforderungen, die ein größerer Strombedarf an Stromsysteme stellt. Wenn Industrie, Kühlung, Elektromobilität und Rechenzentren weltweit zu den Treibern zählen, rücken auch für die Planung in Deutschland Netze, Speicher und flexible Erzeugung in den Blick. Das ist eine Einordnung der Systemanforderungen, keine Aussage über konkrete deutsche Ausbauzahlen oder einen bestimmten Zeitplan.

Die IEA-Prognose verbindet damit zwei Botschaften: Der globale Strombedarf wächst voraussichtlich stärker als noch 2025, und erneuerbare Energien könnten 2026 erstmals die größte Quelle der Stromerzeugung sein. Wie gut beides zusammenpasst, lässt sich an den genannten Kennzahlen allein nicht abschließend beurteilen. Dafür wären zusätzliche Angaben zur Erzeugung, zu regionalen Entwicklungen und zur Versorgungssituation nötig.

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